Hamburg gilt als eine der fortschrittlichsten Städte Deutschlands und spielte eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der feministischen Bewegung und im Kampf für Frauenrechte. Diese Bewegung entstand bereits im 18. Jahrhundert und durchlief verschiedene politische Epochen.
Die Geschichte des Feminismus in Hamburg ist ein Beispiel für Willenskraft, Unerschütterlichkeit und Entschlossenheit. Der lange Weg zur Gleichberechtigung war voller Herausforderungen und dauert bis heute an. Mehr zu hamburgka.eu.
Die Anfänge der Frauenbewegung in Hamburg
Die gesellschaftliche Stellung der Frauen in Hamburg wandelte sich mit der Zeit. Die erste Welle der Frauenbewegung entstand im 18. Jahrhundert während der Aufklärung. Die französische Feministin Olympe de Gouges prägte das Konzept der Gleichheit der Geschlechter und forderte gleiche Rechte für Frauen von Geburt an. Aufgrund ihrer Ansichten wurde sie 1793 hingerichtet. Ihre Ideen fanden jedoch langsam Anklang.
Bereits 1813 wurde in Hamburg der „Hamburger Frauenclub“ gegründet, um die Familien von Soldaten während der napoleonischen Kriege zu unterstützen. Nach 1815 richtete der Club eine eigene Schule für Hausangestellte ein. Diese Organisation wurde zur Keimzelle der Frauenbewegung. Die Revolution von 1848 war ein entscheidender Wendepunkt für die politische Partizipation von Frauen. Ihnen wurde das Wahlrecht verweigert, was die Debatte über ihre politische Stellung anfachte.
Frauen der Mittelschicht begannen, Zeitungen zu veröffentlichen und demokratische Vereinigungen zu gründen. Die Schriftstellerin Louise Otto prägte das Motiv der Frauenbewegung im 20. Jahrhundert: Frauen sollten auf Augenhöhe mit Männern an gesellschaftlichen Entscheidungen teilhaben. Sie forderte rechtliche Gleichstellung und eine bessere Bildung für Mädchen.
Emilie Wüstenfelds Einsatz für die Frauenbewegung
1848 konzentrierte sich die demokratische Bewegung in Hamburg auf Gleichberechtigung, Religionsfreiheit und Bildungsreformen für Mädchen. Eine der Schlüsselfiguren dieser Zeit war Emilie Wüstenfeld. Sie setzte sich gegen religiöse Intoleranz ein, da selbst Frauenclubs nur streng protestantisch geprägte Frauen als Krankenschwestern akzeptierten. Im Dezember 1846 gründete sie eine Frauenvereinigung zur Unterstützung der deutschen katholischen Gemeinschaft. Diese Organisation vereinte Männer und Frauen, die sich gegen den kirchlichen Einfluss und für gleiche Rechte aussprachen.

Wüstenfeld war auch an der Gründung einer Initiative für Gleichberechtigung zwischen Juden und Christen beteiligt. In ihrem Verein pflegten christliche und jüdische Frauen interreligiöse Kontakte. Darüber hinaus engagierten sie sich für die Förderung von Bildungseinrichtungen. Die „Hamburger Bildungsvereinigung deutscher Frauen“ wurde ins Leben gerufen, um ein Hochschulsystem für Frauen zu etablieren. Zudem wurde ein Bildungsprogramm für Kindergärten entwickelt.
Die Arbeit der Frauen ermöglichte die Eröffnung eines Colleges für Frauen. Aufgrund politischer Auseinandersetzungen musste die Institution jedoch 1852 schließen. Ein Jahr zuvor waren bereits zivile Kindergärten und Ausbildungsstätten für Erzieherinnen in Preußen verboten worden. Der Kampf um Frauenrechte blieb eine große Herausforderung.
Die feministische Bewegung im 20. Jahrhundert
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts forderten Hamburger Feministinnen das Wahlrecht. 1902 wurde die „Hamburger Frauenvereinigung“ gegründet, die sich für politische Rechte von Frauen einsetzte. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielten Frauen in Deutschland, einschließlich Hamburg, endlich das Wahlrecht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Leben von Frauen zunächst stark eingeschränkt. Doch in den 1950er Jahren trat die erste weibliche Richterin Hamburgs, Alice Prußnitz, ihr Amt an. 1933 hatte sie in Berlin ihr Abitur abgelegt, durfte jedoch aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nicht als Juristin arbeiten. Nach dem Krieg wurde sie Mitbegründerin der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Frauenorganisationen.
In den 1970er Jahren entstanden autonome Frauengruppen, die Zufluchtsstätten für von Gewalt betroffene Frauen einrichteten. Das erste Frauenhaus in Hamburg wurde 1977 eröffnet – ein bedeutender Erfolg der feministischen Bewegung. In den 1980er Jahren fanden Demonstrationen für Gleichberechtigung, gegen Gewalt an Frauen und für die Legalisierung von Abtreibungen statt.
Feminismus im heutigen Hamburg
Heute bleibt Hamburg ein Zentrum der feministischen Bewegung. Aktivistinnen kämpfen gegen patriarchale Strukturen, Sexismus und geschlechtsspezifische Diskriminierung. Sie fordern eine stärkere Repräsentation von Frauen in der Politik, den Zugang zu Debatten und Führungspositionen. Deshalb organisieren sie thematische Veranstaltungen, Informationsabende und Demonstrationen. 2019 fand in Hamburg eine große Kundgebung für Frauenrechte in Deutschland statt.
Erwähnenswert ist das „FrauenStadtArchiv Hamburg“, in dem Dokumente zur Geschichte des Frauenkampfes archiviert werden.
Die Geschichte des Feminismus in Hamburg ist ein dynamischer Prozess, der sich kontinuierlich weiterentwickelt. Die Hamburger Aktivistinnen setzen sich weiterhin für gesellschaftlichen Wandel ein und schreiben die Geschichte des Feminismus fort.