Hamburg ist eine Stadt, die reich an historischen Architekturdenkmälern ist. Touristen genießen die Schönheit der Metropole nicht nur wegen des äußeren Erscheinungsbildes der Gebäude, sondern auch wegen der faszinierenden Geschichten über ihre Entstehung oder ihren Niedergang.
Eines der ältesten religiösen Einrichtungen Hamburgs ist das „Kloster St. Johannis“ (Kloster des Heiligen Johannes). Seine Geschichte ist komplex und vielschichtig, und einige historische Fakten sind widersprüchlich, was die Entwicklung des Klosters für Touristen besonders interessant macht. Lesen Sie mehr unter hamburgka.eu.
Gründungsgeschichte
Das Kloster und die Kirche des Heiligen Johannes wurden etwa in den Jahren 1235–1236 als Dominikanerkloster am heutigen Rathausmarkt am rechten Ufer der Alster gegründet. Seine Entstehung geht auf ein Gelübde des Grafen Adolf IV. von Schauenburg zurück, das er nach dem Sieg über den dänischen König Waldemar II. im Jahr 1227 leistete. Ein direkter Vorgänger war das Zisterzienserinnenkloster Harvestehude.
Das Frauenkloster wurde 1246 von Gräfin Heilwig, der Ehefrau von Graf Adolf IV. von Schauenburg, gegründet. Der Graf selbst trat dem Franziskanerorden bei und lebte außerhalb des damaligen Hamburger Stadtgebiets. Das Kloster wurde ein Zentrum für spirituelle Bildung und theologische Studien. Innerhalb seiner Mauern wurden wertvolle Handschriften aufbewahrt. Nach einem Brand im Jahr 1284 wurde das Gebäude wieder aufgebaut, was auf seine große Bedeutung für die Stadt hinweist.
Im Jahr 1293 spielten die Nonnen eine entscheidende Rolle bei der Weiterentwicklung des Klosters. Ihnen wurden Ländereien bei Oderswelde und Heimichhude steuerfrei überlassen, und sie wurden von allen Diensten und Abgaben befreit.
Von da an wurde das Kloster unter dem Namen „Frauenthal“ bekannt, was „Tal der Frauen“ bedeutet und sich auf das Tal am Ufer der Alster bezieht. Die alte Bezeichnung „Kloster Harvestehude“ blieb jedoch weiterhin in Gebrauch. Später wurde der Stadtteil Harvestehude nach dem Kloster benannt. Viele Straßen in Hamburg, wie Frauenthal, Klostergarten, Nonnenstieg und Abteistraße, erinnern noch heute an das einstige Kloster in diesem Gebiet.
Dörfer und Güter, die heute Teil Hamburgs sind, waren entweder zeitweise oder vollständig im Besitz des Klosters. Im 14. Jahrhundert war seine Fläche sogar größer als die damalige Stadt Hamburg selbst.
Über die historischen Veränderungen im Kloster und das Leben der Nonnen gibt es nur wenige detaillierte Informationen. Über Jahrzehnte hinweg führten sie ein einfaches Leben, bis die Einführung der neuen Kirchenordnung durch Johannes Bugenhagen in Hamburg im Jahr 1529 zu tiefgreifenden Veränderungen führte. Dadurch wurde das katholische Zisterzienserinnenkloster in ein protestantisches Kloster umgewandelt.
Die Auflösung des Klosters
Die Dominikanermönche verließen das Kloster St. Johannis im Jahr 1528, während sich die Nonnen des Klosters Harvestehude zunächst gegen die Annahme der evangelischen Lehre wehrten. Doch am 10. Februar 1530 wurde auf Beschluss der Stadtverwaltung und der Bürger ein Teil der Klostergebäude zerstört.

Den Nonnen, die bereit waren, zum neuen Glauben überzutreten, wurde angeboten, ins Kloster St. Johannis umzuziehen, das von den Dominikanern verlassen worden war. Ende 1536 wurde beschlossen, das große Gut des ehemaligen Klosters Harvestehude zu erhalten.
Die Angehörigen der jungen Frauen, die ins Kloster eintreten wollten, mussten eine Gebühr entrichten. Dies ähnelte dem Brauch, dass Nonnen dem Kloster Geld- und Landspenden brachten. 1837 wurde das alte Klostergebäude abgerissen, und die verbliebenen Frauen zogen in ein Haus in der Nähe des heutigen Hauptbahnhofs Hamburg um.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurden viele städtische und ländliche Besitztümer enteignet, und im Jahr 1866 wurde das Land an die Stadt übertragen.
Nutzung nach der Schließung
Nach der Schließung wurde das Klostergebäude für verschiedene Zwecke genutzt. Teile der Gebäude wurden in Schulen, Krankenhäuser und Verwaltungsbüros umgewandelt. Im 19. Jahrhundert wurden einige Bauwerke abgerissen oder im Zuge der Expansion Hamburgs umgestaltet.
Das Johanneum und die Stadtbibliothek, die später zur Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg wurde, befanden sich in einem Renaissancegebäude, das Carl Ludwig Wimmel an der Stelle des ehemaligen Klosters errichtete.
Das Gebäude wurde jedoch im Jahr 1943 durch Bombenangriffe zerstört. Aufgrund der Luftangriffe und der nachfolgenden Brände verbrannten rund eine halbe Million Bücher.

Mit dem Abriss der Kirche und des Klosters St. Johannis verlor Hamburg eines der schönsten architektonischen Denkmäler der Altstadt und einen Teil seines historischen Charmes.
Der heutige Zustand
Heute befindet sich auf dem ehemaligen Gelände des Klosters der Rathausmarkt mit zahlreichen städtischen Bauten. Dennoch bleibt die Erinnerung an das „Kloster St. Johannis“ in den Straßennamen und historischen Dokumenten erhalten. Seine Bedeutung für die Entwicklung Hamburgs war enorm.
Ein Besuch im Hamburg Museum lohnt sich, um mehr über die religiöse Architektur der Stadt und ihre Geschichte zu erfahren. Auch lokale historische Organisationen setzen sich für den Erhalt des Klostererbes und dessen Popularisierung ein.
Die historischen Ereignisse, die das „Kloster St. Johannis“ mit Hamburg verbinden, spiegeln entscheidende Entwicklungsmomente der Stadt wider – von einem mittelalterlichen religiösen Zentrum bis hin zur modernen Metropole.
Obwohl das Kloster heute nicht mehr existiert, lebt sein Erbe weiter – in der kulturellen Erinnerung, in historischen Forschungen und in lokalen Legenden. Solche historischen Zeugnisse ziehen Historiker, Wissenschaftler sowie Touristen an, die an jeder Straße und jedem Gebäude interessiert sind.Das bestätigt einmal mehr: Hamburg ist eine faszinierende Stadt für jeden!