Hamburg ist eine Stadt mit einer langen Tradition im Kampf für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit. Im 20. Jahrhundert wurde die Metropole zu einem Zentrum der feministischen Bewegung, in dem Aktivistinnen für die Rechte der Frauen kämpften.
Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der feministischen Bewegung in Deutschland, insbesondere in Hamburg, war Anita Augspurg. Sie war die erste deutsche Juristin, die für die Rechte der Frauen kämpfte. Ihre Arbeit hinterließ einen tiefen Eindruck in der Politik des Landes, und ihr Engagement in Hamburg legte den Grundstein für die zukünftige Frauenbewegung. Sie analysierte Recht und Politik scharf und wich niemals Konflikten aus, die die Gleichberechtigung der Frauen betrafen. Lesen Sie mehr unter hamburgka.eu.
Kindheit und Jugend
Anita Augspurg wurde am 22. September 1857 in Verden an der Aller geboren und war das fünfte Kind einer wohlhabenden Familie. Ihr Vater war ein hoher Justizbeamter, und ihre Mutter stammte aus einer reichen intellektuellen Familie.
Während ihrer Schulzeit wurde ihr der Zugang zu höherer Bildung und zur Universität verweigert. Nach ihrem Abschluss an einer Mittelschule arbeitete sie zunächst in der Anwaltskanzlei ihres Vaters und erledigte dort einfache Aufgaben. Da sie sich weiterbilden wollte, trat sie 1878 in das private Lehrerinnenseminar in Berlin ein, das ihr eine gute Möglichkeit zur Ausbildung bot. Ein Jahr später erwarb sie die Lehrbefähigung und wurde Gymnastiklehrerin.
Nach ihrer Volljährigkeit widmete sie sich dem Theater und nahm Schauspielunterricht. Doch bald gab sie auch diese Tätigkeit auf, da sie aktiv am politischen Leben teilnehmen wollte.
1887 eröffnete Anita Augspurg gemeinsam mit einer Freundin ein Fotostudio in München. Die Studioinhaberinnen fielen auf – sie trugen kurze Haare, bequeme Kleidung und standen oft in den Nachrichten, weil sie für einen freien Lebensstil für Frauen kämpften.
1891 zog Augspurg nach Zürich, um Jura zu studieren, da die meisten Universitäten in Deutschland Frauen den Zugang zur Hochschulbildung verweigerten. 1897 schloss sie ihr Studium mit einem Doktortitel in Rechtswissenschaften ab und wurde damit die erste promovierte Juristin im Deutschen Reich.
Kampf für Frauenrechte
Nach ihrem Studium engagierte sich Augspurg in der feministischen Bewegung. 1898 war sie eine der Mitbegründerinnen der deutschen Sektion der Internationalen Abolitionistischen Föderation in Hamburg, die sich für die Abschaffung der staatlich regulierten Prostitution einsetzte.

1902 gründete sie gemeinsam mit Lida Gustava Heymann die erste deutsche Organisation für Frauenwahlrecht: „Verein für Frauenstimmrecht“ in Hamburg. Diese Vereinigung spielte eine entscheidende Rolle im Kampf um politische Rechte für Frauen in ganz Deutschland.
Die Organisatorinnen planten, radikale Methoden der englischen Suffragetten zu übernehmen – darunter Demonstrationen und sogar Hungerstreiks. Ihr Engagement in Hamburg half, das Bewusstsein für Frauenrechte zu schärfen und die feministische Bewegung weiterzuentwickeln.
Darüber hinaus war Augspurg Herausgeberin feministischer Zeitschriften, darunter „Die Frauenbewegung“. In dieser Zeitung wurden Artikel über Frauenrechte veröffentlicht.
Augspurg war eine begabte Rednerin, und ihre Veröffentlichungen sowie öffentlichen Auftritte halfen ihr, mit der radikalen Frauenbewegung in Kontakt zu treten. Sie war bekannt für ihre effektiven politischen Aufrufe und Aktionen des zivilen Ungehorsams, die manchmal zu Verhaftungen führten.
Sie war außerdem eine überzeugte Pazifistin. Augspurg sprach sich gegen Militarismus aus und nahm an Konferenzen teil, die dem Frieden gewidmet waren. 1923 erkannte sie gemeinsam mit anderen Aktivistinnen die Gefahr, die von Adolf Hitler ausging. Monate vor dem Hitlerputsch forderten sie die bayerische Regierung auf, Hitler nach Österreich auszuweisen. Doch der bayerische Innenminister Franz Schweyer lehnte diese Forderung der Frauen ab.
Es ist auch erwähnenswert, dass Augspurg 1919 Mitbegründerin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) war. Diese Organisation ging aus dem Haager Frauenfriedenskongress hervor. Sie unterstützte die Frauenliga mit einem radikal-pazifistischen Kurs und trat öffentlich für deren Ziele ein.
Emigration und Vermächtnis

1933 wurde Deutschland für sie zu einem gefährlichen Ort. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten reisten Augspurg und Heymann durch das Mittelmeergebiet und beschlossen schließlich, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren – aus Angst vor Verfolgung.
Die Emigration war für die 76-jährige Augspurg eine große Herausforderung. Sie lebte mit ihrer Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann im Exil in Zürich und setzte dort ihre Arbeit fort.
Ihr gesamtes Eigentum in Deutschland wurde konfisziert, und ihre Frauendokumente und Archive wurden von den Nazis vernichtet.
Augspurg und Heymann schrieben ihre Memoiren „Erlebtes – Erschautes“, die erst 1972 – Jahrzehnte nach ihrem Tod – veröffentlicht wurden.
Anita Augspurg starb am 20. Dezember 1943 in Zürich.
Bedeutung für den Feminismus
Die Arbeit von Anita Augspurg hatte einen bedeutenden Einfluss auf den Kampf für Frauenrechte, sowohl in ganz Deutschland als auch in Hamburg. Ihr Engagement in der Hansestadt zeigte, wie wichtig Überzeugungskraft, Beharrlichkeit und Gerechtigkeitsstreben sind.
Durch ihre Bemühungen hatte die Frauenbewegung in Hamburg eine starke Stimme, die sowohl im Parlament als auch auf den Straßen zu hören war.
Ihre Worte über Gleichberechtigung und Freiheit inspirieren bis heute moderne Aktivistinnen, denn der Kampf für Frauenrechte ist noch nicht abgeschlossen.Frauen von heute können Anita Augspurg dankbar sein – für ihren Mut, ihre Entschlossenheit und ihren Einsatz für die bürgerlichen und politischen Rechte der Frauen.