Fast jeder Mensch weiß, wer Sigmund Freud ist. Der berühmte österreichische Psychologe und Neurologe veränderte das Verständnis der Menschheit für das Unbewusste, die Psyche und die Psychoanalyse. Freuds Forschungen bilden bis heute eine Grundlage der modernen Psychologie. Doch in diesem Artikel sprechen wir nicht über Sigmund Freud, sein Leben oder seine wissenschaftlichen Errungenschaften. Wir erzählen die Geschichte der Frau, die immer an der Seite des legendären Psychologen war. Denn hinter jedem erfolgreichen Mann steht oft eine ebenso starke und bemerkenswerte Frau.
Im Schatten von Sigmund Freud bleibt seine Ehefrau Martha Freud nahezu unsichtbar. Wenige wissen, wer diese Lebensgefährtin des legendären Freuds war. Deshalb erzählen wir auf hamburgka.eu mehr über die Frau, die im Schatten ihres Mannes lebte, aber dennoch ihre eigene Identität bewahrte.

Wer war Martha Freud?
Martha Freud wurde am 26. Juli 1861 in Hamburg in der Familie des ehemaligen Oberrabbiners der Stadt geboren. Ihre Familie war wohlhabend, und unter ihren nahen Verwandten befanden sich der bekannte Publizist Edward Bernays sowie Julius und Philipp Oskar, die Gründer des weltweit größten Metallhandelsunternehmens. Als Martha acht Jahre alt war, musste ihre Familie Hamburg verlassen und nach Wien ziehen. 1879 verstarb ihr Vater.
Trotz einer schwierigen Kindheit erhielt Martha eine gute Erziehung und Bildung. Sie war eine intelligente und attraktive Frau, die gerne las und reiste. Viele berichteten, dass Martha Freud durch ihre besondere Pünktlichkeit und ihren Perfektionismus auffiel.

Über die Begegnung und Verlobung mit Sigmund Freud
Sigmund Freud lernte Martha kennen, als sie 21 Jahre alt war. Die junge, charismatische und äußerst intelligente Frau zog sofort die Aufmerksamkeit des Wissenschaftlers auf sich. Nach vier Jahren Beziehung heiratete das Paar im September 1886 in Hamburg. Ihre Verlobung war zunächst geheim, da ihre Ehe aufgrund fehlender finanzieller Mittel Freuds und Marthas fehlender Mitgift unmöglich schien. Doch diese Schwierigkeiten hielten das Paar nicht davon ab, eine Familie zu gründen, die später als Vorbild galt.
Ernest Jones, der offizielle Biograf von Sigmund Freud, studierte die Korrespondenz zwischen Martha und ihrem Mann während ihrer Verlobungszeit sorgfältig. Er sagte, dass diese Briefe einen bedeutenden Beitrag zur weltweiten Liebesliteratur leisten könnten. Sigmund Freud schrieb seiner Verlobten über 900 lange Briefe, in denen er von Eifersucht, unbeschreiblicher Liebe, Streitigkeiten und Versöhnungen erzählte.

Wie war das Familienleben der Freuds?
Die Familie Freud war konservativ und entsprach den gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen Traditionen ihrer Zeit. Sigmund Freud war oft vollkommen in seine Forschungen vertieft. Martha hingegen übernahm alle häuslichen Pflichten und kümmerte sich um die Erziehung der sechs Kinder. Sie war eine typische Frau ihrer Zeit, die den Haushalt führte und ihren Mann unterstützte.
Interessant ist, dass Sigmund Freud alle Namen ihrer Kinder selbst auswählte. Den zweiten Sohn benannte er zu Ehren von Oliver Cromwell, einem Revolutionär, den er bewunderte. Der älteste Sohn, Martin, beschrieb seine Mutter in seinen Memoiren als eine gutherzige, rationale und sehr verantwortungsvolle Frau. Obwohl Martha eine vorbildliche Mutter und Ehefrau war, hatte sie kaum die Möglichkeit, sich als eigenständige Persönlichkeit zu verwirklichen.

Marthas Rolle in Freuds Karriere
Viele Biografen Freuds sind sich einig, dass Martha, obwohl sie sich für Wissenschaft interessierte, nicht aktiv an den Forschungen ihres Mannes teilnahm. Sie ließ ihm die Freiheit, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, und trug die gesamte Last der Haushaltsführung. Möglicherweise war dies das Geheimnis ihres erfolgreichen Familienlebens.
Der französische Psychoanalytiker René Laforgue lobte Martha Freud in seinen Erinnerungen und bezeichnete sie als wahre Meisterin, die eine friedliche und angenehme Atmosphäre im Haus schaffen konnte. Er bemerkte jedoch auch, dass Martha Freuds Ideen zur Psychoanalyse eher kritisch betrachtete.

Die letzten Jahre von Martha Freud
Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland zog die Familie Freud nach London. Sigmund Freud starb am 23. September 1939. Martha Freud blieb nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Schwester allein in London. Obwohl sie die Bekanntheit ihres Mannes hätte nutzen können, wählte sie ein ruhiges Leben. Martha Freud starb am 2. November 1951.