In der Literaturgeschichte gibt es viele Schriftstellerinnen, die nicht nur durch ihre Werke, sondern auch durch ihre soziale Haltung, tragische Liebesgeschichten und schwierige Schicksale bekannt wurden. Eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Hamburgs des 19. Jahrhunderts ist Ida Boy-Ed. Mehr dazu auf hamburgka.eu.
Ein behütetes Umfeld
Ida Cornelia Ernestina Ed wurde 1852 in Bergedorf geboren, das seit 1951 einer der sieben Bezirke Hamburgs ist. Sie wuchs in einer glücklichen und unterstützenden Familie auf. Ihre Eltern hatten zehn Kinder, Ida war eines davon. Ihr Vater war im Zeitungswesen tätig, ein Unterstützer ihrer literarischen Ambitionen. Er arbeitete als Journalist, war Abgeordneter des Reichstags und Eigentümer der Zeitung Eisenbahn-Zeitung. 1865 verlagerte er den Hauptsitz der Zeitung nach Lübeck.

Ida begann früh, Kurzgeschichten und Romane zu schreiben, und zeigte bereits in ihrer Jugend großes literarisches Talent. Doch nach ihrer Heirat mit 17 Jahren an Carl Johann Boy hörte sie auf zu schreiben. Ihr Mann war strikt dagegen, dass sie literarisch tätig war oder arbeitete.
1878 entschied sich Ida, ihren Mann zu verlassen und die Scheidung einzureichen. Das Paar hatte zu diesem Zeitpunkt vier Kinder. Carl Johann Boy war gegen die Trennung, konnte Ida jedoch nicht umstimmen. Trotz Drohungen verließ sie mit ihrem ältesten Sohn das Haus ihres Mannes und zog nach Berlin, wo sie begann, als freie Theaterkritikerin zu arbeiten.
Trotz ihrer literarischen Erfahrung brachte ihr diese zunächst weder Geld noch Popularität. Dennoch wagte sie den Schritt, nach Berlin zu ziehen, um sich ganz ihrer Schriftstellerei zu widmen. Nach zwei Jahren musste sie jedoch wegen rechtlicher Komplikationen zurückkehren, um die Scheidung abzuschließen – ein Vorhaben, das jedoch scheiterte, da ihr Mann nicht einwilligte.
Später Erfolg
Ida Boy-Ed widmete ihre freie Zeit der Erziehung ihrer Kinder und dem Schreiben. Sie arbeitete unermüdlich, doch der Erfolg stellte sich erst nach ihrem 30. Lebensjahr ein. Ihre erste veröffentlichte Sammlung bestand aus Novellen über die hanseatische Mittelschicht. Insgesamt veröffentlichte sie rund 70 Bücher. Ihre Zusammenarbeit mit großen Zeitungen und Magazinen brachte ihr schließlich finanzielle Stabilität.
Das zentrale Motiv ihrer Werke waren Frauen. Sie interessierte sich für starke Persönlichkeiten, Schriftstellerinnen und historische Figuren, und sie setzte sich in ihren Büchern mit Frauenrechten auseinander. Diese gesellschaftlich relevanten Themen ermöglichten es ihr, mit literarischen und belletristischen Werken ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So konnte sie sich eine große Wohnung leisten und sich sozial engagieren.
Während des Ersten Weltkriegs waren alle ihre Söhne im Krieg. Ihr Sohn Walter starb in Frankreich, Karl diente als Marineattaché an der deutschen Botschaft in Washington, und der jüngste, Emil, war Marineoffizier. Ihre Erfahrungen mit dem Verlust eines Kindes im Krieg verarbeitete sie in einem ihrer Werke.
Bankrott und ersehnte Freiheit
1883 traf Ida Boy-Ed Michael Conrad, doch sie konnte sich nicht von ihrem Mann scheiden lassen. Zwei Jahre später starb ihr Vater, und die Familienzeitung ging an einen ihrer Brüder. Ida entwickelte sich weiter als kreative Persönlichkeit. Ihr Haus wurde ein Zufluchtsort für junge Schriftsteller und außergewöhnliche Persönlichkeiten.
Das Erbe ihres Vaters floss in das Familienunternehmen ihres Mannes ein. Als dieser jedoch bankrottging, musste Ida ihre Berliner Wohnung und die Zeitung ihres Vaters verkaufen, um die Schulden zu begleichen. Ihr Mann starb 1904, was ihr endlich die ersehnte Freiheit brachte. Obwohl sie in einem Vorort von Hamburg geboren wurde, betrachtete man Lübeck als ihre Heimat. 1912 schenkte ihr die Stadt eine große Wohnung für ihre Verdienste in der Literatur.

Ida Boy-Ed starb 1928 in Travemünde. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich auf einem Friedhof in Lübeck. Am Tag ihres Todes, dem 13. Mai, wurden die Fahnen der Stadt auf Halbmast gesetzt. Ihre Lebensgeschichte ist geprägt von Kreativität und dem Leid einer Frau.