Die Geschichte der Bordelle in Hamburg

Hamburg, die faszinierende Hafenstadt, ist nicht nur als Wirtschaftszentrum bekannt, sondern auch für ihr lebhaftes Nachtleben. Die berühmtesten Viertel der Metropole sind St. Pauli und die Reeperbahn, wo in Clubs und Etablissements die Nacht zum Tag wird.

Gerade in diesen Vierteln, die fest zur Kultur- und Sozialgeschichte der Stadt gehören, ballen sich die Bordelle. Der Stadtteil, bekannt für sein Rotlichtviertel, zieht auch Touristen an, denn seine Geschichte erzählt vom langen Weg der Prostitution – von geheimen Treffen bis zur Legalisierung. Mehr dazu auf hamburgka.

Auf historischen Pfaden

Die Prostitution in Hamburg hat tiefe Wurzeln und wird bereits im Stadtrecht von 1292 erwähnt. Im Mittelalter konzentrierte sich die Sexarbeit in den Hafenvierteln, wo Seeleute nach langen Reisen Zerstreuung suchten. Im Jahr 1428 gab es in der Stadt acht offizielle Frauenhäuser, in denen Prostituierte arbeiteten. Sie versammelten sich mit Trommeln und Fahnen, um eine bestimmte Gasse für sich zu beanspruchen. Im 16. Jahrhundert versuchte die Stadtverwaltung, die Prostitution durch die Einrichtung staatlich kontrollierter Häuser zu regulieren. Oft wurden Frauen in solchen Einrichtungen ausgebeutet.

In den 1790er Jahren gab es in St. Pauli eine Gasse mit zahlreichen Bordellen. Dort mussten Prostituierte spezielle Kleidung tragen, und bei kleineren Vergehen wurden sie in speziellen Einrichtungen an der Binnenalster brutal bestraft. Die Kundschaft der Bordelle wuchs stetig und wurde von der Polizei überwacht. Die Reeperbahn entwickelte sich zu einem wahren Vergnügungszentrum, in dem Bordelle neben Kabaretts und Kneipen existierten. Im Jahr 1725 erließ Hamburg eine Verordnung, die Prostituierte bei erstmaligem Vergehen mit 8 bis 14 Tagen Haft im alten Turm bei Wasser und Brot bestrafte. Bei wiederholtem Vergehen wurden sie zusätzlich an den Pranger auf dem Hamburger Pferdemarkt gekettet und mussten dort eine Stunde mit einem Namensschild stehen. Anschließend wurden sie für zehn Jahre aus der Stadt verbannt.

Während der französischen Besatzung Hamburgs entstanden Bordelle um die Davidstraße. Auffällig war, dass französische Soldaten unter Geschlechtskrankheiten litten und ein spezieller Arzt begann, Prostituierte zu untersuchen. Im Jahr 1833 wurde das damalige Hamburg-Berg offiziell ein Vorort von St. Pauli. Zu dieser Zeit gab es in der Stadt bereits 113 öffentliche Häuser mit 569 Arbeiterinnen, was 1834 zur Verabschiedung einer Verordnung mit Regulierungen zur Beschränkung der Prostituierten führte. Sie wurden in drei Klassen eingeteilt, nach denen die an die Stadt zu entrichtenden Gebühren festgelegt wurden. Seitdem unterlagen die Prostituierten den in Hamburg geltenden Regeln. So war es ihnen beispielsweise tagsüber verboten, sich auf der Straße aufzuhalten. Ab 1880 verstärkte die Stadt ihre Bemühungen, diese Berufsgruppe zu kontrollieren. Für eine gewisse Zeit wurden die städtischen Bordelle von der Polizei überwacht.

Die goldene Zeit der Reeperbahn und die Legalisierung

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Reeperbahn zur „sündigen Meile“ Hamburgs. In den 1920er Jahren zog das Viertel Künstler und Touristen an, und Bordelle wie das „Zum Silbersack“ wurden legendär, obwohl Prostitution halblegal war. Gleichzeitig begannen die Sozialdemokraten, für die Abschaffung öffentlicher Bordelle zu kämpfen, doch die schwierige Lebenssituation drängte viele Frauen in diese Arbeit. 1922 beschloss der Senat die schrittweise Schließung der Hamburger Bordelle. Fünf Jahre später trat ein Gesetz in Kraft, das die Prostitution im Land regulierte.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten bezeichnete Hitler die Prostitution als „Schande der Menschheit“. Ab 1933 wurden Prostituierte in Baracken an der Winkel- und Mauerstraße, am Kalkhof, Grützmachergang und in der Herbertstraße in St. Pauli untergebracht. In Hamburg wurden Kontrollbücher für Prostituierte eingeführt, denen der Aufenthalt an bestimmten Orten untersagt war. Die Polizei konnte in ihre Wohnungen eindringen, sie wurden verfolgt und bestraft.

In der Nachkriegszeit, genauer gesagt nach 1948, eröffnete das „Hotel Luxor“ an der Großen Freiheit. Es war Hamburgs ältestes Bordell, das bis 2008 in Betrieb war. Im Jahr 1964 entstand das offizielle „Eros‑Center“ für 150 Arbeiterinnen mit einer kontrollierten Infrastruktur. Gangsterorganisationen in den 1970er- und 1980er-Jahren wie die „GMBH“, die „Nutella‑Bande“ und die Marek‑Bande kontrollierten die Bordelle auf der Reeperbahn und in St. Pauli und verwickelten Frauen in Kriminalität. Es ist erwähnenswert, dass die AIDS-Epidemie in den 1980er Jahren zur Schließung der meisten Bordelle führte.

Aktueller Stand der Bordelle

Im modernen Deutschland, insbesondere in Hamburg, ist die Prostitution vollständig geregelt. Im Jahr 2002 legalisierte das Land sie, was den Status der Hamburger Bordelle veränderte. Laut Gesetz müssen sich Sexarbeiterinnen registrieren, medizinische Untersuchungen absolvieren und Steuern zahlen, was ihren sozialen Schutz erhöht hat. Das bekannteste Bordell in der Herbertstraße, eine abgesperrte Gasse mit Schaufenstern, wurde zum Symbol der Legalisierung. Diese Straße existiert seit dem 19. Jahrhundert und ist nur für Männer ab 18 Jahren zugänglich. Die Legalisierung ermöglichte auch die Eröffnung moderner Bordelle, darunter das „Paradise“, das komfortable Bedingungen und modernes Tourismusmarketing bietet. Solche Einrichtungen setzen auf Sicherheit und Qualität der Arbeit.

Im heutigen Hamburg gibt es über 90 städtische Bordelle. In speziellen Stadtteilen – der Herbertstraße, Wohnungen in St. Pauli und spezialisierten Hoteleinrichtungen – konzentrieren sich 2400-2500 Frauen. Etwa 60 % der in diesem Beruf tätigen Frauen sind Ausländerinnen, hauptsächlich aus Südosteuropa. Im Jahr 2020 wurden die Bordelle aufgrund der COVID-19-Epidemie geschlossen, aber der Betrieb wurde schrittweise unter strengen Hygienevorschriften wieder aufgenommen.

Die Geschichte der Hamburger Bordelle spiegelt die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen der Metropole wider. Bordelle passen sich den Herausforderungen an und bleiben ein attraktiver Touristenort.

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