In Hamburg haben viele Menschen gewirkt, geschaffen und gekämpft, um die Stadt zu Ruhm zu führen. Eine der prägendsten deutschen Schriftstellerinnen der Weimarer Republik war Irmgard Keun. Ihre Werke sprühen vor Humor, Ironie und scharfen sozialen Kommentaren. Sie erfand nicht nur fesselnde Geschichten, sondern gestaltete eine Welt, in der Frauen nach Freiheit in einer Gesellschaft strebten, die sie nicht verstand.
Obwohl Keun in Berlin geboren wurde, verbrachte sie den größten Teil ihres Lebens in Hamburg, wo sich ihr Schaffen und ihr Leben eng mit der Metropole verknüpften. Von Hamburg über Berlin bis ins Exil – die Schriftstellerin bewahrte einen einzigartigen Stil, in dem Humor und Tragik nebeneinander existierten. Mehr dazu auf hamburgka.
Frühes Leben und Karrierebeginn
Irmgard Keun wurde am 6. Februar 1905 in Berlin in eine wohlhabende Familie geboren, die ihr die Freiheit gab, ihre Interessen zu erkunden. Ihr Vater war Agent einer Benzinimportfirma, ihre Mutter Hausfrau. 1913 zog die Familie nach Köln. Keun besuchte eine evangelische Mädchenschule, die sie 1921 abschloss. Sie arbeitete als Stenotypistin und besuchte eine Handelsschule. Das Leben in den Großstädten prägte den Stil ihrer Werke, in denen der dynamische Alltag in der Metropole beschrieben wird.
Sie besuchte auch Schauspielschulen in Hamburg und Greifswald. Nach einer erfolglosen Schauspielkarriere in Hamburg begann sie, sich der Literatur zuzuwenden. Ihr literarisches Debüt feierte sie 1931 mit dem Roman „Gilgi, eine von uns“, der sofort ein Erfolg wurde. Im ersten Jahr wurden 30.000 Exemplare verkauft. Es war die Geschichte einer jungen Stenotypistin, die unabhängig sein wollte. Ein Jahr später erschien ihr zweiter Roman „Das kunstseidene Mädchen“, der von einem Mädchen erzählt, das in Berlin nach Ruhm strebt. Das Buch wurde dank seines Humors im ernsten Kontext zu einem Bestseller.
Leben in Hamburg und politische Herausforderungen
Hamburg spielte eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Ab den 1930er Jahren reiste sie häufig in die Stadt, da sie mit Hamburger Verlagen zusammenarbeitete und sich mit Literaten austauschte. Die Schriftstellerin mochte die Hafenstadt, die sie dazu inspirierte, unabhängige Charaktere zu schaffen, die ihren Platz in der großen Welt suchten.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden Irmgard Keuns Bücher wegen angeblicher Verbreitung eines unmoralischen Lebensstils verboten. In derselben Zeit verliebte sich die Frau in Arnold Strauss, einen jüdischen Arzt, der sie von ihrem Alkoholismus heilen wollte. Später verlor er als Jude seine Stellung und emigrierte in die USA, aber sie blieben in Kontakt. Die Schriftstellerin publizierte weiterhin in Deutschland, manchmal unter Pseudonym, doch 1935 verboten die Behörden ihre Werke endgültig. Sie versuchte, die Behörden wegen Einkommensverlusts zu verklagen, aber selbst ihre letzte Berufung wurde abgelehnt. Die Bücher der Schriftstellerin wurden verbrannt, und sie selbst emigrierte nach Belgien, dann in die Niederlande. Während dieser Zeit hatte sie eine Beziehung mit dem Schriftsteller Joseph Roth.
Im Exil schrieb Irmgard Keun mehrere neue Werke. In ihrem Roman „Nach Mitternacht“ kritisierte sie das NS-Regime. Zu dieser Zeit pflegte sie Kontakt zu Hamburger Antifaschisten. 1940 kehrte die Schriftstellerin unter Pseudonym ins nationalsozialistische Deutschland zurück. Niemand weiß, wie ihr dieses Wagnis gelang; sie lebte inkognito in Köln und Hamburg.
Rückkehr zur Arbeit
In den 1960er Jahren war das Leben der Schriftstellerin vom Alkohol überschattet. Trotz der Hilfe der Literaturgemeinschaft trank sie und übernachtete auf der Straße. 1966 wurde sie in die Psychiatrie des Landeskrankenhauses Bonn eingewiesen, wo sie bis 1972 blieb. Erneut hörte man 1979 von ihr, nachdem der Hamburger Verlag „Claassen“ „Das kunstseidene Mädchen“ neu aufgelegt hatte.

1981 nahm die Schriftstellerin an den Dreharbeiten zur Verfilmung von „Nach Mitternacht“ in Berlin teil, doch ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich. Irmgard Keun starb 1982 in Köln an Lungenkrebs.
Anerkennung der Schriftstellerin
Für ihre Geschichten, die von feinem Humor durchdrungen sind, erhielt Irmgard Keun große Anerkennung von Alfred Döblin und Kurt Tucholsky. Sie verstand es meisterhaft, Charaktere zu nutzen, um soziale Probleme der frühen 1930er Jahre zu beleuchten und zu kritisieren. Die Werke der Schriftstellerin sind bis heute populär, da sie den Kampf der Frauen um Unabhängigkeit widerspiegeln. Ihr Schaffen inspiriert junge Schriftsteller, die ähnliche Themen aufgreifen möchten.
2023 fand in Düsseldorf die Theaterinszenierung „Die fünf Leben der Irmgard Keun“ über Leben und Werk von Irmgard Keun statt. Es war eine Weltpremiere, die die fünf Leben der Schriftstellerin – von der Jugend bis zu Krieg und Exil – beleuchtete. Auch in den Hamburger Literaturarchiven werden Briefe und Manuskripte Keuns aufbewahrt.
Irmgard Keun war also eine bekannte Schriftstellerin, deren Schaffen eng mit Hamburg verbunden ist, einer Stadt, die sie zu fesselnden Romanen inspirierte. Ihre Werke, die von den Nationalsozialisten verboten wurden, erlangten dank der Neuauflage in Hamburg wieder Popularität. Keuns Vermächtnis lebt weiter und erinnert an den Kampf der Frauen für Freiheit, Mut und Aufrichtigkeit.
Die Schriftstellerin spiegelte das ironische Leben ihrer Generation wunderbar wider, was bis heute aktuell ist. Trotz eines nicht leichten Lebens konnte die Frau schaffen und ein Andenken hinterlassen. Sie war die erfolgreichste Schriftstellerin der Weimarer Republik.