Fanny Hensel ist nicht nur für ihr musikalisches und kompositorisches Talent bekannt, sondern auch für ihre angesehene Familie. Ihr Bruder war der berühmte Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy, ihr Großvater ein aufklärerischer Philosoph. Alle Mitglieder der Familie Mendelssohn erreichten Erfolge in ihren jeweiligen Bereichen. Doch Fanny wurde zur bekanntesten Hamburger Pianistin. Mehr dazu auf hamburgka.eu.
Unterricht von der Mutter
Fanny wurde 1805 geboren und war das älteste Kind von Abraham Mendelssohn und Lea Salomon. Der Stammbaum der Familie ist reich an erfolgreichen Bankiers, Philosophen und Musikern. Kein Wunder, dass Fanny mit diesen Talenten ebenfalls Erfolge erzielte.
Wie ihr Bruder Felix wurde Fanny von ihrer Mutter ans Klavierspiel herangeführt. Die Mutter war selbst eine gute Pianistin und unterrichtete ihre Kinder. Fanny setzte ihre Ausbildung bei Marie Bigot in Paris fort. Im Jahr 1820 studierte sie gemeinsam mit Felix an der Sing-Akademie in Berlin, die damals von Carl Friedrich Zelter geleitet wurde, einem bekannten deutschen Komponisten und Pädagogen. Zelter förderte oft junge und talentierte Musiker, da er selbst einst ein solcher war – der Sohn eines Steinhauers, der sich die Musik autodidaktisch aneignete.
Goethes Favoritin
Neben dem Klavierspiel beeindruckte Fanny auch mit ihrem Gesang. Oft trat sie vor Publikum und Bekannten auf. Ihre Stimme verzauberte den berühmten deutschen Dichter Goethe, der ihr sogar ein Gedicht widmete.

1829 heiratete sie den Maler Wilhelm Hensel. Bereits vor der Hochzeit hatte Wilhelm ein Porträt von Fanny gemalt. Hensel war ein bekannter Porträtist in Deutschland, seine Schwester eine angesehene Schriftstellerin. Das Paar bekam einen Sohn, und ihr Enkel Kurt Hensel wurde später ein berühmter deutscher Mathematiker, der bedeutende Beiträge zur Algebraischen Zahlentheorie leistete.
In den Jahren 1839-1840 reiste Fanny durch Italien, wo sie viele Konzerte gab und Werke bedeutender Komponisten, darunter auch die ihres Bruders, aufführte. Während eines Auftritts erlitt sie einen Schlaganfall und verstarb. Die damalige Medizin konnte keine angemessene Hilfe leisten. Ihr Bruder Felix war von ihrem Tod tief betroffen und starb selbst wenige Monate später.

In einem Jahr verlor Deutschland zwei außergewöhnliche Mitglieder der Familie Mendelssohn. Die Deutschen ehrten Fanny mit einem prächtigen Denkmal auf dem Friedhof der Dreifaltigkeitsgemeinde. Biographen und Historiker konnten ihre persönlichen Tagebücher sichern, die als Grundlage mehrerer Biografien dienten. Fanny Mendelssohn wird zu den bekanntesten und erfolgreichsten Komponistinnen des 19. Jahrhunderts gezählt. Sie wird auf eine Stufe mit Clara Schumann und Louise Farrenc gestellt.
Umstrittene Werke
Aufgrund historischer Verwirrungen wurden einige ihrer Werke ihrem jüngeren Bruder zugeschrieben. Die „Ostersonate“ war eines dieser umstrittenen Werke, das ursprünglich Felix zugeschrieben wurde. Fannys bekanntestes Werk, die 1841 entstandenen 12 Miniaturen „Das Jahr“, gilt als Meisterwerk. Leider war es für Frauen jener Zeit schwierig, ihr Talent unter Beweis zu stellen und ernst genommen zu werden. Sängerin zu sein war eine Sache, doch als Komponistin Anerkennung zu finden, war etwas ganz anderes. Selbst Goethe bewunderte ihre Stimme, erkannte jedoch ihre kompositorischen Fähigkeiten nicht an. Generell fiel es Goethe schwer, die Professionalität von Frauen anzuerkennen.
Das Erbe der Mendelssohns
Fannys Familie zeichnet sich durch große Namen aus. Ihr Großvater Moses Mendelssohn wurde als „deutscher Sokrates“ bezeichnet. Er war ein Vorreiter der Haskala (jüdische Aufklärung). Seine Ideen beeinflussten die Reformen im Judentum des 19. Jahrhunderts. Sein Beitrag zur Philosophie und Religion ist von unschätzbarem Wert.
Louise Marie Hensel, die Schwester von Fannys Ehemann, war eine der bekanntesten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Sie beeinflusste maßgeblich den romantischen Stil und hatte großen Einfluss auf Clemens Brentano. Das Leben in einem kreativen Umfeld war für Fanny selbst von grundlegender Bedeutung.