Nord Coast Coffee Roastery ★9.1

Café · Hamburg · ⭐ 9.1/10 · 3554 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-10 15:31:26

Adresse: Deichstraße 9, 20459 Hamburg, Deutschland

Hamburgs älteste erhaltene Altstadtgasse am Nikolaifleet ist eine Adresse mit Vorgeschichte: In dieser Reihe alter Bürgerhäuser brach 1842 der Große Brand aus, und was heute steht, ist der letzte zusammenhängende Rest des alten Hafenviertels. In einem dieser Häuser eröffneten 2015 eine Brasilianerin und ein Hamburger eine Rösterei mit Café — Nord Coast Coffee Roastery — und stellten die Röstmaschine gleich hinter die Eingangstür. Man geht hier nicht in ein Café, in dem auch geröstet wird, sondern an der Röstung vorbei in das Café.

Höhepunkte

  • 2015 gegründet von Paula Mendes Alio und Jörn Gorzolla, einem Paar — sie aus Brasilien, er aus Hamburg; kennengelernt haben sie sich in einer Speicherstadt-Rösterei.
  • Der Röster steht am Eingang und läuft fast täglich: eigenes Handwerk, keine zugekaufte Hausmischung.
  • Nordische Röstprofile — hell, klar, süß, mit feiner Säure statt Röstbitterkeit.
  • Eine ungewöhnlich tiefe Brühbar: V60, Chemex, Kalita Wave, Syphon, AeroPress, Cold Brew und sogar die Karlsbader Kanne, die man in Deutschland selten auf einer Karte findet.
  • Eine eigene Küche mit Handschrift: Frühstück nach Paulas Rezepten, hausgemachtes Granola, Waffeln, Bowls — vieles vegan, und alles wird angerichtet, nicht hingestellt.
  • Zwei Etagen mit großen Tischen, gutem WLAN und verteilten Steckdosen — eines der wenigen Specialty-Häuser der Stadt, das Arbeiten ausdrücklich verträgt.

Was in der Tasse ist

Der Kaffee ist hier nicht der Anlass für das Frühstück, sondern der Grund für das Haus. Geröstet wird im Erdgeschoss, fast täglich, und zwar nicht symbolisch für die Vitrine, sondern für drei eigene Cafés und den Großhandel dazu. Das Profil ist nordisch: hell geröstet, auf Klarheit und Süße hin gearbeitet, mit einer feinen Säure, die man mögen muss — wer den dunklen, schokoladig-bitteren Espresso deutscher Prägung sucht, wird hier erst umlernen und dann meistens umschwenken. Die Beziehung zu den Erzeugern ist auf Dauer angelegt statt auf Saison, und von jedem verkauften Kilo Kaffee fließt ein fester Betrag in Projekte in den Anbauländern zurück.

Die Brühbar ist das eigentliche Argument. Neben den üblichen Espressogetränken — Ristretto, Doppio, Flat White, Cappuccino, Latte — steht eine Filterkarte, wie sie in Hamburg kaum ein zweites Haus führt: Hario V60 und Chemex für die Klassiker, Kalita Wave für den gleichmäßigen Auszug, AeroPress, Batch Brew und Cold Brew für den Alltag, Syphon für die Show mit Substanz — und die Karlsbader Kanne, ein Porzellangerät aus dem 19. Jahrhundert, das ohne Papier filtert und einen Kaffee mit auffallend vollem Körper liefert. Wer wissen will, was eine Zubereitungsmethode mit derselben Bohne anstellt, kann das hier an einem Vormittag durchspielen.

Die praktischen Antworten: Hafermilch und andere Alternativen sind selbstverständlich, entkoffeinierter Espresso ist verfügbar, und wer gar keinen Kaffee trinkt, findet heiße Schokolade, Chai, Matcha und im Sommer eine Reihe kalter Getränke bis hin zum Espresso-Tonic. Die sinnvollste Bestellung für Erstbesucher ist ein Filterkaffee — im Espresso verschwindet die Handschrift dieses Hauses hinter der Milch, im Filter steht sie ungeschminkt in der Tasse.

Wer dahintersteht

Paula Mendes Alio ist in Brasilien aufgewachsen, in einer Familie, in der Kaffee kein Getränk, sondern Hausarbeit war: Die Großeltern bauten ihn im Hinterhof an und rösteten ihn selbst für den Eigenbedarf. Dass sie Jahre später in Hamburg beim Betreten einer Rösterei denselben Geruch wiedererkannte, hat den Ausschlag gegeben — sie beschreibt es als ein plötzliches Heimatgefühl in einer fremden Stadt. Jörn Gorzolla kam von der anderen Seite: Er arbeitete als Röster in einer Speicherstadt-Rösterei und hat sich das Handwerk zu großen Teilen selbst beigebracht. Dort trafen sich die beiden, und 2015 machten sie ihr eigenes Haus auf.

Die Arbeitsteilung ist bis heute sichtbar und erklärt den Betrieb besser als jede Philosophie-Seite: Er steht an der Maschine und röstet für alle Standorte, sie verantwortet die Küche und die Rezepte. Deshalb ist das Frühstück hier kein Zubehör, das ein Röster halt anbieten muss, sondern ein zweites Handwerk mit eigener Handschrift — bis hin zu den essbaren Blüten auf dem Teller, über die Paula ganz nüchtern sagt, dass ein junges Publikum eben auch mit den Augen bestellt. Aus dem einen Haus sind inzwischen drei geworden: das Stammhaus in der Altstadt und zwei weitere im Norden der Stadt, in Eppendorf und in Eimsbüttel.

Wofür es sich eignet

Arbeiten am Laptop — ja, und zwar ernsthaft. Das ist die Achse, auf der sich dieses Haus von fast allen Specialty-Adressen der Stadt unterscheidet. Es gibt WLAN, es gibt große Tische, die zum Bleiben gemacht sind, und es gibt Steckdosen — verteilt über zwei Etagen, wenn auch nicht an jedem einzelnen Platz. Wer laden muss, setzt sich also nicht irgendwohin, sondern sucht kurz. Die zweite Etage ist dafür die bessere Wahl: ruhiger, mit Bücherregalen und bequemerer Bestuhlung.

Konzentriert arbeiten — mit einer Einschränkung. Ruhig ist das Haus nicht. Unten läuft Musik, deren Bass nach oben durchkommt, und in den Stoßzeiten wird es lebhaft. Für Textarbeit mit Kopfhörern ist das kein Problem, für Videocalls schon. Wer telefonieren muss, geht raus.

Frühstück und langes Sitzen zu zweit. Funktioniert sehr gut, wenn man den Andrang meidet. Am Wochenende ist das Haus voll, und die Wartenden stehen dann auf der Gasse — unter der Woche am Vormittag hat man dagegen fast die Ruhe eines Hinterzimmers.

Kaffee wirklich verkosten. Wegen der Brühbar. Bestellen Sie zwei verschiedene Zubereitungen derselben Bohne und trinken Sie sie nebeneinander — das ist in Hamburg an wenigen Tresen so leicht möglich.

Gäste von auswärts. Die Lage macht die halbe Arbeit: Man sitzt in der letzten erhaltenen Reihe alter Hamburger Bürgerhäuser, das Fleet liegt hinter dem Haus, Rathaus und Speicherstadt sind zu Fuß erreichbar. Als erster Programmpunkt eines Altstadttags kaum zu schlagen.

Allein sitzen. Ausdrücklich vorgesehen. Fensterplätze, Gemeinschaftstische und die obere Etage machen es leicht, hier mit einem Buch oder allein mit einem Filterkaffee eine Stunde zu verbringen, ohne sich erklären zu müssen.

Zum Mitnehmen und Bohnen kaufen. Beides geht schnell, und die Bohnen sind dieselben, die drei Meter weiter geröstet wurden.

Der Raum

Zwei Etagen in einem alten Altstadthaus, innen konsequent auf Industrie gebürstet: geschliffener Beton am Boden, helle Holztresen, Kupferakzente. Der Röster steht am Eingang und ist damit nicht nur Maschine, sondern Möbel und Ansage zugleich — man kommt an ihm nicht vorbei, sondern durch ihn hindurch in den Raum.

Oben ändert sich der Ton. Dort stehen Bücherregale, die Bestuhlung wird weicher, und der Raum wird zu dem, was das Erdgeschoss nicht sein kann: ein Ort zum Bleiben. Wer eine Stunde plant, bleibt unten; wer drei plant, geht hoch. Fensterplätze gibt es auf beiden Ebenen, und sie sind hier mehr wert als anderswo, weil draußen eine der wenigen Gassen liegt, in denen Hamburg noch aussieht wie vor dem Großen Brand.

Die ehrliche Schwäche ist der Pegel. Harte Oberflächen, zwei offene Ebenen und Musik im Erdgeschoss ergeben zusammen ein Haus, das gut gelaunt, aber nicht leise ist — an vollen Wochenenden reicht die Schlange bis auf die Gasse hinaus. Barrierefrei ist der Zugang gut gelöst, gezahlt wird problemlos mit Karte.

Mehr als Kaffee

Ja, hier wird richtig gekocht, und zwar bis in den Nachmittag hinein. Das Frühstück geht in zwei Richtungen: herzhaft mit Bio-Rührei auf Steinpilzbutter und Sauerteigbrot, pochierten Eiern auf Smashed Avocado mit Erbsen, Ricotta mit Ofentomaten aus alten Sorten — und leicht mit hausgemachtem Granola, einer Açaí-Bowl, die vegan gebaut ist, und einer Cornbread-Waffel, die zwischen den Kategorien steht.

Die Waffeln sind der eigentliche Publikumsliebling und laufen länger als das Frühstück: mit Limetten-Mascarpone-Creme, frischen Früchten und Ahornsirup, schlicht mit Puderzucker oder in der Nutella-Variante, und es gibt sie ausdrücklich auch pflanzlich und glutenfrei. Dazu kommen Panini — Büffelmozzarella mit Babyspinat und Tomate, ein Kürbis-Panino mit Avocado in vegan, dieselbe Idee mit Lachs für alle anderen.

Veganes ist hier kein Anhängsel, sondern eigenständig gedacht: Das griechisch inspirierte Brot, die Bowl, das Panino und die pflanzliche Waffel sind keine Versionen von etwas anderem. Wer mit einer Gruppe kommt, in der jeder anders isst, hat hier selten ein Problem — und die Teller sehen so aus, wie sie in diesem Haus eben aussehen sollen.

Wann kommen

Der Betrieb ist ein Tagesgeschäft: Es beginnt am Vormittag und endet am späten Nachmittag, einen Abendservice gibt es nicht. Die erste Stunde ist die ruhigste und für ein Gespräch am Tresen die beste — danach kommt zunächst das Büropublikum der Altstadt, später die Altstadtspaziergänger und die Touristen.

Der Unterschied zwischen Woche und Wochenende ist hier größer als anderswo. Wochentags am Vormittag ist das Haus ein Arbeits- und Frühstücksort mit freien Tischen; am Wochenende ist es ein Ziel, und dann wird gewartet. Wer mit Laptop kommt, kommt wochentags früh. Wer wegen des Frühstücks kommt, sollte am Wochenende Zeit oder eine Reservierung mitbringen — reservieren lässt sich vorab, und in dieser Lage ist das keine Formalität. Die aktuellen Zeiten stehen im Zeitplan-Block auf dieser Seite; die Häuser im Norden der Stadt haben eigene Rhythmen.

Anfahrt

Sie sind in der Hamburger Altstadt, am Nikolaifleet, im letzten erhaltenen Ensemble alter Bürgerhäuser — der Weg dorthin führt an Rathaus und Mahnmal St. Nikolai vorbei und ist selbst schon ein Programmpunkt. Von der U-Bahn-Station Rödingsmarkt ist es ein kurzer Fußweg, von Baumwall und vom Rathausmarkt kaum länger; die Speicherstadt liegt auf der anderen Seite des Wassers und ist in wenigen Minuten erreicht. Mit dem Auto ist die Gegend ungemütlich und das Parken teuer erkauft — hier fährt man mit U-Bahn oder Bus und läuft die letzten Meter durch die schmalste Gasse der Altstadt.

Gut zu wissen

Drei Hinweise. Erstens: Bestellen Sie mindestens einmal Filter statt Espresso. Die Röstung dieses Hauses ist hell und auf Klarheit gebaut; unter Milch verschwindet genau das, wofür man hergekommen ist. Zweitens: Wenn Sie arbeiten wollen, gehen Sie nach oben und schauen Sie beim Hinsetzen kurz nach der Steckdose — es gibt genug davon, aber nicht an jedem Platz. Drittens: Am Wochenende lohnt eine Reservierung, weil die Gasse eng und die Schlange geduldig ist.

Ein Detail, das viel über die Hamburger Kaffeeszene erzählt: Der Röster dieses Hauses steht nicht nur für die eigenen Kaffees unter Dampf. Ein anderes bekanntes Café der Altstadt röstet seine Bohnen an derselben Maschine, weil der Betreiber sich keine eigene Anlage hinstellen wollte. Die Szene ist in dieser Stadt kleiner und kollegialer, als die Schaufenster vermuten lassen — und dieses Haus ist einer ihrer Knotenpunkte.

Fragen und Antworten

Rösten sie den Kaffee selbst?

Ja, im Erdgeschoss, fast täglich — für die eigenen Cafés und für den Großhandel. Die Maschine steht direkt am Eingang.

Kann ich hier mit dem Laptop arbeiten?

Ja, das ist eine der Stärken. WLAN ist vorhanden, es gibt große Tische und über beide Etagen verteilte Steckdosen — nicht an jedem Platz, deshalb beim Hinsetzen kurz schauen. Für Videocalls ist es allerdings zu laut.

Ist es leise?

Nein. Unten läuft Musik, deren Bass nach oben trägt, und in Stoßzeiten wird es lebhaft. Die obere Etage ist die ruhigere Wahl.

Bekomme ich hier Filterkaffee — und mit welchen Methoden?

Ja, und in ungewöhnlicher Breite: V60, Chemex, Kalita Wave, AeroPress, Syphon, Batch Brew, Cold Brew und die Karlsbader Kanne.

Gibt es Frühstück und veganes Essen?

Beides. Frühstück bis in den Nachmittag, dazu Waffeln und Panini; vegane Gerichte sind eigenständig gedacht und nicht bloß abgewandelt.

Muss ich reservieren?

Unter der Woche nicht, am Wochenende sehr zu empfehlen. Ohne Reservierung wartet man in Stoßzeiten auf der Gasse.

Kann ich Bohnen mitnehmen?

Ja, es sind dieselben, die im Haus geröstet werden; außerdem gibt es einen Onlineshop.

Gibt es weitere Standorte?

Ja, zwei weitere Cafés im Norden der Stadt — in Eppendorf und in Eimsbüttel. Das Stammhaus mit der Röstung ist dieses hier.

Ist der Kaffee sehr säuerlich?

Er ist hell und klar geröstet, mit feiner Säure statt Röstbitterkeit. Wer sehr dunkle Röstungen gewohnt ist, sollte den ersten Kaffee als Filter probieren, um zu verstehen, worauf hier gezielt wird.

Öffnungszeiten

Tag Zeiten
Montag 09:00–17:00
Dienstag 09:00–17:00
Mittwoch 09:00–17:00
Donnerstag 09:00–17:00
Freitag 09:00–17:00
Samstag 09:00–17:00
Sonntag 09:00–17:00

Gästebewertungen

  1. елена максименко

    Дуже гарно та смачна , найкраща кава у Гамбурзі!

  2. Yevhenii Krasniuk

    Дуже смачна вафля з кленовим сиропом і кава дійсно смачна, все дуже гарно подається , все супер, атмосфера: хотілось лишити 4 зірки через бешкетливих дітей ), але дуже смачно поївши закрив на це очі )

  3. ニキータ Stanislav Vasylevskyi

    Вже багато років відвідую цю кав‘ярню і купляю тут зерно. Найголовніша причина відвідувати Гамбург. Майже завжди просто бездоганно варять і смажать каву. Атмосфера і сервіс теж просто прекрасні. Також маю відмітити їжу.…

  4. Daria Bovtuta

    Це кафе просто неймовірне, чесно кажучи. Смачні страви, неперевершена кава, дуже затишний інтер'єр, привітні офіціанти (які розмовляють вільно англійською, що є великим плюсом). Однозначно раджу це місце. 🙂
    Проте краще…

Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-10 15:31:26

Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: hamburgka.eu sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.

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