Café · Hamburg · ⭐ 9.1/10 · 9559 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-10 15:31:25
Adresse: Kehrwieder 5, 20457 Hamburg, Deutschland
Die Speicherstadt hat den Kaffee jahrhundertelang gelagert, geprüft und weitergereicht — getrunken wurde er anderswo. Speicherstadt Kaffeerösterei hat das 2006 umgedreht: Zwei Söhne Hamburger Kaffeehändlerfamilien richteten in einem Speicherboden von 1888 eine Rösterei ein, die man betreten darf, und stellten die Röstmaschine nicht in einen Hinterraum, sondern mitten in den Gastraum. Wer hier einen Espresso trinkt, sitzt neben der Produktion — und das ist kein Bühnenbild, sondern der laufende Betrieb.
Höhepunkte
- 2006 eröffnet, kurz nachdem die Verschiebung der Freihafengrenze die Speicherstadt für Publikum überhaupt erst zugänglich machte.
- Gegründet von Andreas Wessel-Ellermann und Thimo Drews, den Söhnen zweier Hamburger Kaffeehandelsfamilien — die Vorgeschichte beginnt mit einem gescheiterten Direkthandelsprojekt in Kolumbien.
- Der Trommelröster steht mitten im Gastraum: Der Kaffee wird in dem Raum geröstet, in dem er getrunken wird — geführte Rundgänge erübrigen sich dadurch.
- Denkmalgeschützter Speicherboden von 1888: über 250 Quadratmeter Eichendielen, Backstein, historische Mühlen als Mobiliar, Blick auf das rückwärtige Fleet.
- 2014 von einem Fachmagazin zum Röster des Jahres gewählt, dazu Goldmedaillen aus Verkostungen der deutschen Röstergilde.
- Drei Betriebe unter einem Dach — Caféhaus, Espressobar zum Mitnehmen und Fabrikladen —, was an vollen Tagen die Rettung ist.
Was in der Tasse ist
Geröstet wird auf einer Probat-Trommelmaschine, und zwar bewusst langsam. Das ist keine Nostalgie, sondern eine Entscheidung über den Geschmack: Eine lange, schonende Trommelröstung baut jene Röstreizstoffe ab — Öle, Wachse, Fette —, die schnell und sehr heiß gerösteten Kaffee bitter und schwer bekömmlich machen. Der Rohkaffee kommt über den Hamburger Hafen ins Haus, also über genau den Weg, für den diese Speicherzeile einst gebaut wurde. Kürzer wird eine Lieferkette mitten in einer deutschen Großstadt kaum.
Das Sortiment ist breit, und das Haus weiß, dass Breite überfordert. Deshalb führt seit Jahren ein Farbsystem durch die Regale, das die Kaffees nicht nach Herkunftsland, sondern nach Geschmacksrichtung ordnet: Wer weiß, ob er es eher schokoladig oder eher fruchtig mag, findet sich damit auch ohne Beratung zurecht. Neben den Hausmischungen stehen Einzelherkünfte aus Projekten, die das Haus selbst betreibt oder über Jahre begleitet — ein Demeter-Kaffee aus Honduras, ein indonesisches Anbauprojekt, ein Kaffee aus einer kongolesischen Frauenkooperative und ein Projekt auf Sumatra, das an den Schutz des Orang-Utan-Lebensraums gekoppelt ist.
Die praktischen Antworten, die die meisten Gäste brauchen: Espresso und Filter werden einzeln zubereitet, die Milch kommt von einem Hof aus der Region, und wer nur einen Kaffee für den Weg will, geht gar nicht erst ins Caféhaus, sondern direkt an die Espressobar. Die sinnvollste Frage am Tresen lautet, was an diesem Tag aus der Trommel gekommen ist — und sie ist hier nie theoretisch, weil die Trommel wenige Meter entfernt steht. Ein Hinweis für Planer: Geröstet wird nicht an jedem einzelnen Tag, es gibt Wartungsfenster. Wer wegen der Maschine kommt, fragt vorher kurz nach.
Wer dahintersteht
Die Geschichte beginnt 1994, und sie beginnt in Kolumbien. Eine Hamburger Kaffeehändlerfamilie gründete dort einen Betrieb, der Direkthandel machen wollte: Rohkaffee unter Umgehung der Zwischenstufen kaufen und fair bezahlen. Das Vorhaben scheiterte an der schlichtesten aller Ursachen — als die Weltmarktpreise anzogen, verkauften die Partner vor Ort ihren Kaffee lieber anderswo. Der Handelsbetrieb überlebte, die Idee blieb liegen, und ein gutes Jahrzehnt später nahmen die Söhne zweier befreundeter Hamburger Kaffeehändlerfamilien sie wieder auf.
Andreas Wessel-Ellermann und Thimo Drews kannten einander und entwickelten zwischen 2003 und 2006 die Idee einer offenen Rösterei mitten in der Speicherstadt — an einem Ort also, der seit Generationen Zentrum des europäischen Kaffeehandels war, ohne dass ein Endkunde ihn je betreten hätte. Der Weg vom Jutesack bis in die Tasse sollte nicht erklärt, sondern gezeigt werden. Dass daraus kein Boutiquebetrieb wurde, zeigen die Zahlen: vier Etagen, rund 2200 Quadratmeter, etwa sechzig feste Kräfte dazu Auszubildende und Saisonpersonal. Die Transparenz ist damit keine Marketingfigur, sondern Bauplan — es gibt keine geführten Touren, weil es keinen Bereich gibt, in den man führen müsste.
Wofür es sich eignet
Dem Kaffee bei der Arbeit zusehen. Der ehrlichste Grund herzukommen. Setzen Sie sich so, dass Sie die Trommel im Blick haben, und planen Sie eine gute Stunde ein. Es gibt in Hamburg mehrere sehr gute Röstereien; es gibt wenige, in denen man während des Röstens am Tisch sitzt.
Frühstück, Kuchen, eine richtige Pause. Hier wird gekocht und belegt, nicht nur aufgewärmt. Das Haus funktioniert als Frühstücks- und Kuchenadresse und nicht bloß als Kaffeestation — man kann sich ohne schlechtes Gewissen für zwei Stunden hinsetzen.
Gäste von auswärts. Die zuverlässigste Verwendung überhaupt. Der Raum erklärt Hamburg in fünf Minuten: Backstein, Fleet, Hafen, Kaffee. Wer Besuch hat und trotzdem nicht in eine Touristenfalle geraten will, ist hier richtig — der Betrieb ist echt, auch wenn die Lage touristisch ist.
Arbeiten am Laptop — eher nicht. Das ist die wichtigste Einschränkung, und sie wird selten ausgesprochen. Der Raum ist ein Ziel, kein Büro: Eine ausgewiesene Arbeitsinfrastruktur gibt es nicht, ein denkmalgeschützter Speicherboden von 1888 hat seine Steckdosen dort, wo das Haus sie hat, und an vollen Tagen warten Leute auf Plätze. Für eine Stunde mit Notizbuch funktioniert es; für einen Arbeitstag mit Ladekabel suchen Sie besser eine andere Adresse.
Zum Mitnehmen. Dafür gibt es die Espressobar, und sie ist der eigentliche Geheimtipp des Hauses: Wenn Caféhaus und Fabrikladen voll sind, kommt man dort in Minuten an einen Kaffee, statt sich anzustellen.
Bohnen kaufen. Der Fabrikladen gehört zum Konzept — oben probieren, unten mitnehmen. Wer aus Hamburg etwas mitbringen will, das keine Postkarte ist, findet hier die naheliegende Antwort.
Mit Kinderwagen und mit Rollstuhl. Machbar, aber mit Vorbereitung. Im Treppenhaus gibt es einen Rollstuhl-Fahrlift mit Schlüsselschalter, im ersten Stock eine barrierefreie Toilette. Ein Anruf vorab ist hier keine Übervorsicht, sondern der praktische Weg.
Der Raum
Der Gastraum liegt in einem Speicherboden von 1888: Backsteinwände, offene Balken, über 250 Quadratmeter Eichendielen. Das Haus hat den Boden hergerichtet, ohne ihn glattzubügeln — es wirkt nicht museal und auch nicht durchdesignt, sondern wie ein Arbeitsraum, in den man Tische gestellt hat. Historische Kaffeemühlen und altes Röstgerät stehen als Mobiliar herum, und weil sie hier nicht dekorativ, sondern folgerichtig sind, funktionieren sie besser als jedes Kaffeehaus-Zitat.
Die zwei Blickachsen sind der eigentliche Wert: nach innen auf die Röstmaschine, nach draußen auf das rückwärtige Fleet, über das die Barkassen zur Speicherstadtrundfahrt schieben. Wer die Wahl hat, wählt eine davon — ein Tisch ohne Aussicht auf Trommel oder Wasser ist hier ein verschenkter Tisch. Dazu kommen Espressobar und Fabrikladen, die den Betrieb auf verschiedene Geschwindigkeiten verteilen.
Die ehrliche Schwäche ist die Fülle. Die Speicherstadt gehört zu den meistbesuchten Ecken der Stadt, und dieses Haus liegt mittendrin — an Wochenenden und bei schlechtem Wetter sammelt sich das an einem Ort. Harte Oberflächen tun das Ihre: Wenn der Raum voll ist, wird er laut, und aus dem kontemplativen Röstereiboden wird ein sehr belebtes Café. Der Einlass endet ein Stück vor der Schließung, was man wissen sollte, bevor man spät anreist.
Mehr als Kaffee
Ja, man kann hier richtig essen. Die Küche belegt Bagels frisch, backt Croissants und Waffeln, macht Salate und führt ein Frühstück, das auch herzhaft geht — dazu Kuchen und Blechkuchen von regionalen Partnern. Das ist kein Kuchenteller neben der Kasse, sondern eine Küche, die den halben Tag trägt. Wer mit Kindern kommt, wird die Waffeln zu schätzen wissen; wer allein kommt, findet ein Frühstück, das eine Verabredung mit sich selbst rechtfertigt.
Der zweite Teil des Programms hat mit Tellern nichts zu tun. Das Haus veranstaltet Kaffeeverkostungen, bei denen acht bis zehn Kaffees nebeneinander stehen und man lernt, Anbau-, Ernte- und Aufbereitungsmethoden auseinanderzuhalten; eineinhalb Stunden sind die Untergrenze. Dazu kommen Abende, die man in einer Rösterei nicht erwartet: ein monatliches Frühstück mit Livemusik am Samstag, ein Salsaabend mit Anfängerkurs, und einmal im Jahr die Nacht der Speicherstadt, an der abends live geröstet, geführt und verkostet wird.
Und schließlich der Fabrikladen, der den Kreis schließt: Was man oben getrunken hat, kann man unten kaufen — inklusive der Projektkaffees, die es in dieser Form sonst nirgends gibt.
Wann kommen
Das Haus ist ein Tagesbetrieb: Es beginnt am Vormittag und endet am späten Nachmittag, einen Abendservice gibt es nur an Veranstaltungstagen. Die erste Stunde nach dem Öffnen ist die ruhigste und für einen Blick auf die Röstmaschine die beste — danach füllt sich der Boden zuverlässig, und über die Mittagszeit hinaus ist die Speicherstadt in ihrem Element.
Wochentage sind deutlich entspannter als Wochenenden, und Regentage sind hier keine Rettung, sondern das Gegenteil: Bei schlechtem Wetter schiebt sich halb Hamburg in die überdachten Ziele der Speicherzeile. Wer sitzen und schmecken will, kommt früh und unter der Woche. Wer nur einen Kaffee will, nimmt die Espressobar und spart sich die Frage ganz. Die aktuellen Zeiten stehen im Zeitplan-Block auf dieser Seite.
Anfahrt
Sie sind in der Speicherstadt, in derselben Speicherzeile wie das Miniatur Wunderland und das Hamburg Dungeon — wer diese beiden Eingänge sieht, ist richtig. Von der U-Bahn-Station Baumwall ist es ein kurzer Fußweg, eine Bushaltestelle liegt noch näher, und auch von Rödingsmarkt läuft man in wenigen Minuten hin. Die Elbphilharmonie und die HafenCity beginnen direkt gegenüber, sodass sich der Besuch mühelos an einen Spaziergang hängen lässt. Eigene Parkplätze gibt es nicht, und die Speicherstadt ist der denkbar schlechteste Ort, um mit dem Auto danach zu suchen — der öffentliche Nahverkehr ist hier nicht die bequeme, sondern die einzige vernünftige Variante.
Gut zu wissen
Drei Dinge sparen Ihnen Zeit. Erstens: Für Sitzplätze im Caféhaus lässt sich vorab reservieren, und an Wochenenden ist das der Unterschied zwischen Ankommen und Anstehen. Zweitens: Wenn Sie wegen der Röstung kommen, fragen Sie vorher nach — die Maschine läuft nicht jeden Tag, und in Wartungswochen bleibt die Trommel kalt, während Café, Espressobar und Laden ganz normal geöffnet sind. Drittens: Der Einlass endet vor der Schließung, spätes Erscheinen wird deshalb regelmäßig zum Fehlschlag.
Für die Planung: Sechzig bis neunzig Minuten sind ein realistisches Zeitfenster, wenn man Kaffee, Kuchen und einen Blick in den Fabrikladen unterbringen will. Inhaber der HamburgCard erhalten auf Kaffeespezialitäten einen Nachlass. Und ein Detail, das das Haus über sich selbst verrät: Es gibt keine Führungen, weil es keine Hinterbühne gibt — die Anlage steht dort, wo die Gäste sitzen. Das ist in einer Branche, die ihre Produktion sonst gern hinter Milchglas versteckt, die eigentliche Ansage.
Fragen und Antworten
Wird hier wirklich vor Ort geröstet?
Ja, auf einer Probat-Trommelmaschine, die mitten im Gastraum steht. Allerdings nicht an jedem Tag — es gibt Wartungsfenster, in denen der Betrieb ansonsten normal weiterläuft.
Kann ich hier mit dem Laptop arbeiten?
Für eine kurze Sitzung geht es, für einen Arbeitstag nicht. Es ist ein stark besuchtes Ziel-Café ohne ausgewiesene Arbeitsinfrastruktur; an vollen Tagen warten andere Gäste auf den Platz.
Gibt es außer Kaffee auch etwas zu essen?
Ja, und zwar richtig. Bagels, Croissants, Salate, Waffeln, Kuchen und Blechkuchen sowie ein Frühstück, das auch herzhaft ausfällt.
Muss ich reservieren?
Müssen nicht, aber an Wochenenden ist es sehr zu empfehlen. Ohne Reservierung sind Wartezeiten in dieser Lage normal.
Was, wenn alles voll ist?
Dann nutzen Sie die Espressobar. Sie ist genau für diesen Fall da und liefert Kaffee zum Mitnehmen, ohne dass man einen Sitzplatz braucht.
Ist das Café barrierefrei?
Mit Einschränkung. Im Treppenhaus gibt es einen Rollstuhl-Fahrlift mit Schlüsselschalter und im ersten Stock eine barrierefreie Toilette; ein Anruf vor dem Besuch ist sinnvoll.
Kann ich Kaffee mit nach Hause nehmen?
Ja, dafür gibt es den Fabrikladen im selben Haus — inklusive der Einzelherkünfte aus den eigenen Anbauprojekten.
Gibt es Führungen durch die Rösterei?
Nein, und zwar aus einem guten Grund: Die Röstanlage steht im Gastraum, man sieht sie ohnehin. Stattdessen gibt es Kaffeeverkostungen und einmal jährlich einen Abend mit Live-Röstung.
Lohnt sich das Haus auch für jemanden, der sich für Kaffee nicht besonders interessiert?
Ja. Ein Speicherboden von 1888 mit Blick auf das Fleet und die Barkassen ist auch ohne Kaffeewissen eine der schlüssigsten Stunden, die Hamburg zu bieten hat.
Öffnungszeiten
| Tag | Zeiten |
|---|---|
| Montag | 10:00–18:00 |
| Dienstag | 10:00–18:00 |
| Mittwoch | 10:00–18:00 |
| Donnerstag | 10:00–18:00 |
| Freitag | 10:00–18:00 |
| Samstag | 10:00–18:00 |
| Sonntag | 10:00–18:00 |
Fotos





Gästebewertungen
Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-10 15:31:25
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Ми швидко знайшли столик на двох об 11:00 ранку.
За 17 євро, включаючи чайові, ми замовили одну каву з льодом та два францбротхени (різновид солодкої булочки).
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Незважаючи на коротку чергу, ми напрочуд швидко зайняли столик. Справжня насолода для кавоманів: можна вибрати з різноманітної кави, і якість помітна одразу. Особливо нас вразили маленькі кексики – просто божественні! ✨
Чудове місце в Гамбурзі, особливо якщо ви гуляєте гаванню або районом Шпайхерштадт.
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