Das Modemuseum in Meyenburg: Ein Ort, an dem der Geist des 20. Jahrhunderts lebt

Mode wandelt sich ständig. Mit der Zeit vergessen wir, was vor zehn oder zwanzig Jahren modern war. Doch Kleidung ist auch ein Stück Geschichte. Im deutschen Städtchen Meyenburg, auf halbem Weg zwischen Hamburg und Berlin, befindet sich ein besonderes Museum – das Modemuseum Meyenburg. Mehr zu hamburgka.eu.

Die Anfänge des Modemuseums

Das private Modemuseum von Meyenburg ist im historischen Schloss der Familie von Rohr untergebracht und beherbergt eine der größten Sammlungen von Kleidungsstücken des 20. Jahrhunderts. Das eindrucksvolle Anwesen gleicht einer mittelalterlichen Burg und gilt als architektonische Perle der Stadt. Neben dem Modemuseum befinden sich hier auch ein Heimatmuseum und eine öffentliche Bibliothek.

Gegründet wurde das Museum von der Modedesignerin und Modeexpertin Josefine Edle von Krepl. Sie wurde in Fürstenwalde geboren und entdeckte schon während ihrer Schulzeit ihre Leidenschaft für Mode. Bereits als Teenager entwarf sie eigene Kleidungsstücke, die oft durch ungewöhnliche Designs auffielen.

Nach ihrem Schulabschluss begann Josefine ein Journalismusstudium, blieb aber der Mode treu. In den 1980er Jahren eröffnete sie in Berlin eine der ersten privaten Modeboutiquen der Stadt. Etwa zur gleichen Zeit begann sie, getragene Kleidungsstücke aus dem 20. Jahrhundert zu sammeln. Die wachsende Kollektion benötigte bald mehr Platz. So fand sie 2006 eine neue Heimat im frisch restaurierten Schloss von Meyenburg.

Einzigartige Exponate

Die Sammlung des Museums umfasst nicht nur Alltagskleidung, sondern auch besondere historische Stücke. Ein Highlight ist das Abendkleid von Ellen Schwiers, das sie 1959 auf dem roten Teppich der Internationalen Filmfestspiele von Cannes trug – bei der Premiere des Films Helden.

Laut Museumsdirektorin und Kunsthistorikerin Irene Berjas hat die Kollektion eine hohe kulturelle Bedeutung. Getragene Kleidung spiegelt den Zeitgeist des 20. Jahrhunderts wider und erzählt Geschichten, die weit über Mode hinausgehen.

Besonderheiten des Modemuseums

Im Museum werden dauerhaft Kleider, Anzüge, Dessous und Hüte ausgestellt. Die Sammlung umfasst mehrere tausend Exponate. Viele der Kleidungsstücke erinnern an alte Familienfotos, die Jugend unserer Mütter und Großmütter, klassische Filme und Gemälde. Die historischen Innenräume des Schlosses verstärken die nostalgische Atmosphäre.

Besonders bemerkenswert sind die weiße Unterwäsche aus der Zeit um 1900, schwere Mäntel aus reiner Wolle, eine aufwendig gearbeitete Spitzenhochzeitsrobe und mutige Charleston-Kleider der 1920er Jahre. Zu den Highlights gehören auch die ersten Sportshorts der 1920er, schlichte Kleider der 1940er sowie prunkvolle brokatbesetzte Roben der späteren Jahrzehnte. Eine gesonderte Ausstellung widmet sich der bunten, rebellischen Hippie-Mode.

Neben Kleidung werden auch zeittypische Accessoires präsentiert: Hüte, Schals, Schmuck, Taschen, Schuhe und historische Wohnaccessoires. Besucher können sich anhand chronologischer Tafeln über die Herkunft und Geschichte der Exponate informieren. Leise Hintergrundmusik verstärkt die Reise durch vergangene Modeepochen.

Ein Rundgang durch das Schloss macht deutlich, wie eng Mode mit gesellschaftlichem Wandel und dem jeweiligen Zeitgeist verwoben ist.

Ein lebendiges Museum

Im Modemuseum Meyenburg ist stets viel los. Regelmäßig finden Sonderausstellungen und Veranstaltungen statt. Ein besonderes Highlight ist die persönliche Führung von Josefine Edle von Krepl, die jeden Monat für Besucher angeboten wird.

Das Schloss liegt inmitten eines landschaftlich gestalteten Parks, der gleichzeitig mit dem Anwesen angelegt wurde. Zu jeder Jahreszeit bietet der Park eine idyllische Kulisse. Nach der Besichtigung ist es leicht, sich vorzustellen, wie einst Damen in vintage Kleidern mit Sonnenschirmen die Spazierwege entlangschritten.Zum Museum gehört auch ein gemütliches Café, in dem Kaffee in Tassen serviert wird, die direkt aus Omas Schrank stammen könnten – ein perfekter Abschluss für eine nostalgische Zeitreise.

....